Wechseljahre – Altes loslassen und Neues beginnen

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BuchtitelbildDiesen Beitrag habe ich geschrieben im Rahmen der Blogparade “BYE, BYE, Traumfigur? Wie geht das mit dem Wohlfühlgewicht ab 40? oder 50?” Hier kommst du zur Startseite, wo du fast 60 spannende Beiträge zu diesem Thema findest.

Traumfigur oder Wohlfühlgewicht?

Meine Traumfigur ist definitiv nicht mein Wohlfühlgewicht. Deshalb trage ich gerne bequeme Kleider. Das war schon so vor den Wechseljahren und das ist heute immer noch so. Meine Unzufriedenheit mit meiner Figur dauerte mein ganzes Leben lang an und ich habe erst im Alter von mehr als sechzig Jahren meinen Frieden mit ihr gemacht und angefangen, sie zu lieben wie sie ist. Jetzt denke ich zwar manchmal, na ja, ein paar Kilo weniger wäre nicht schlecht, bin aber entspannt dabei und achte einfach etwas mehr auf meine Ernährung. Und ich bin mir bewußt, dass Traumfiguren auch einem Wechsel unterliegen.

Als ich in die Pubertät kam, war mein “Figurvorbild” die kurvige Brigitte Bardot. Sie verkörperte für mich Weiblichkeit pur, so wollte ich auch sein, so wollte ich aussehen. Ich ließ meine Haare wachsen und schlief nachts auf Lockenwicklern, damit meine Haare auch in so schönen Wellen fielen. Als ich etwa vierzehn war, überredete ich meine Oma, bei der ich die Sommerferien verbrachte, mit mir zum Friseur zu gehen und mir eine Dauerwelle machen zu lassen. Ich versprach mir dauerhaft schöne Locken. Das Ergebnis war eine Art Gestrüpp auf dem Kopf. Die Dauerwelle war viel zu stark und die Haare kräuselten sich, sobald auch nur ein bisschen Feuchtigkeit in der Luft war. Von schönen Locken konnte keine Rede sein, ich fühlte mich monatelang furchtbar und mochte nicht unter Menschen gehen. Es dauerte unendlich lange, bis die Dauerwelle rausgewachsen war.

Als ich dann 17 oder 18 Jahre alt war, tauchte das englische Model Twiggy auf und wurde Vorbild für viele junge Frauen. Twiggy war sehr mager und hatte sehr kurze Haare. Viele junge Frauen in meinem Umfeld bandagierten sich die Brüste, um so flach wie Twiggy auszusehen. Auch mein Freund fand Twiggy großartig und so ließ ich mir die Haare abschneiden. Mehr konnte ich nicht tun, um diesem Idol zu entsprechen. Mein Freund war anderer Meinung, er fand, dass ich eine Mahlzeit am Tag auslassen könnte, um dünner zu werden. Ich wollte das nicht, ich wollte geliebt werden wie ich bin. Ich war schlank, aber ich war ihm nicht mager genug. Und dann machte ich doch das erste Mal in meinem Leben eine Diät und aß tagelang nur hartgekochte Eier. Es half nichts, wohl weil ich ohnehin schlank war. Aber ich entwickelte einen Ekel vor Eiern und machte als nächstes eine Ananas-Diät. Und dann eine Kohlsuppen-Diät und …

Als 23jährige habe ich diesen Mann geheiratet und seine Ansprüche an mein Äußeres wurden noch höher. Er kam ständig mit irgendwelchen Ideen, was ich noch tun könnte, um seiner Meinung nach attraktiver auszusehen. Ich wurde ständig darin bestätigt, dass ich nicht gut genug war. Das habe ich schon als Kind in anderen Zusammenhängen gelernt, dass ich nicht gut genug bin. Mir wurde immer klarer, dass ich so nicht leben will. Ich wollte nicht mehr die “Dekoration” an der Seite meines Mannes sein, ich wollte mein Leben leben. Ich wollte, wie es Elke Storath in ihrem Beitrag beschreibt, am Ende tanzen.

Mit knapp dreißig reichte ich die Scheidung ein.

30 Jahre alt, geschieden und noch immer keine Traumfigur

Nach meiner Scheidung habe ich es genossen, mit Freundinnen in gute Restaurants essen zu gehen und das zu essen, was mir schmeckte. Auch Desserts. Ohne vorwurfsvolle Blicke und/oder Bemerkungen meines Mannes.

Ich entfernte mich immer weiter von meiner Traumfigur und ein Wohlfühlgewicht war es auch nicht mehr, weil alle Hosen und Kleider sehr eng wurden. Es hat eine Weile gedauert, bis ich akzeptiert habe, dass meine Kleidergröße nicht mehr die gleiche war. Ich machte ab und zu eine kurze Diät, aber sehr halbherzig und freundete mich mit der neuen Kleidergröße an. Ab und zu liebäugelte ich zwar noch mit meiner Traumfigur, aber für mich war der Preis zu hoch, den ich dafür hätte zahlen müssen.

Ich fing wieder an zu reisen und besuchte eine Freundin, die als Entwicklungshelferin in Uganda arbeitete. In Uganda mögen Männer dicke Frauen. Mein erster Gedanke dazu war, oh Klasse, überhaupt kein Stress mit Gewicht halten oder reduzieren, keine Abnehmprogramme etc. Bis mir plötzlich klar wurde, dass das der gleiche Stress ist, nur umgekehrt. Jeder Mann will eine möglichst dicke Frau haben, um zu zeigen, dass er es sich leisten kann, seine Frau “gut zu füttern”. Viele Frauen fühlen sich mit ihrem enormen Körpergewicht überhaupt nicht wohl, aber auch hier ist der gesellschaftliche Druck groß, dem Schönheitsideal zu entsprechen.

Wechseljahre – Altes loslassen

Als ich fünfzig Jahre alt wurde, wurde mir klar, dass ich die Hälfte meines Lebens gelebt habe und dass ich in der zweiten Hälfte vieles anders machen will. Dass ich die Dinge, die ich in der ersten Hälfte gelernt habe, jetzt beherzigen und umsetzen will. Die zweite Hälfte sollte die bessere werden.

Zuerst krempelte ich mein Berufsleben um. Damit einher ging auch eine Veränderung meines Freundeskreises. Viele konnten nicht verstehen, dass ich nicht so weiterleben wollte wie bisher, für sie sah alles gut aus.

Aber ich fühlte mich eingeengt, ich wollte das Leben in seiner ganzen Fülle auskosten, Fülle jeder Art war willkommen. Denn inzwischen hatte ich eine weitere Kleidergröße zugelegt und war selbst erstaunt, wie entspannt ich damit war. Ich habe ein gefühlt halbes Leben gelebt und viel Zeit damit verbracht, den Erwartungen anderer Menschen wenigstens versucht zu entsprechen. Das habe ich selten geschafft und habe dabei viel von meiner Energie verloren. Diese Energie hatte ich nicht mehr für Dinge zur Verfügung, die mir wichtig waren. Ich wollte meine Energie jetzt für mich.

Das stieß in meinem Freundeskreis auf Unverständnis, alle waren gewohnt, dass ich immer da war, wenn mich jemand brauchte oder meinte, dass ich etwas für sie/ihn tun könnte. Ich wurde geizig mit meiner Zeit, ich wollte sie überwiegend für mich und für das, was mir wichtig ist. Viele langjährige Freundinnen sind “mir abhanden gekommen”, weil mir manche Dinge nicht mehr wichtig waren, die ihr Lebensinhalt sind. Und ich wollte auch keine Zeit mehr dafür einsetzen, Interesse vorzutäuschen.

Wechseljahre – Neues beginnen

Ich habe sehr viele neue Freundinnen und Freunde gewonnen durch meine neue Ausrichtung. Ich habe unglaublich viel gelernt in der letzten Zeit. Ich habe vier Bücher geschrieben und zwei Kartensets entwickelt, die Bücher und Karten im Selbstverlag auf den Markt gebracht. Demnächst erscheint ein Kartenset von mir in einem Verlag. Seit einigen Jahren baue ich mir ein Online-Business auf und habe viele meine Online-Kontakte auch in der Offline-Welt getroffen. Einige davon sind gute Freundinnen geworden, mit denen ich mich über Dinge austauschen kann, die mir wichtig sind und für die sich meine “alten” Freundinnen nicht interessieren.

Je älter ich werde, um so mehr lebe ich das Leben, das ich leben möchte. Aber es ist noch viel Luft nach oben, da kann noch einiges kommen! Ich freue mich drauf!

Und damit ich gesund und fit bleibe, achte ich noch mehr als früher auf meine Ernährung und ich bin sehr froh, dass mir Susanne Lindenthal über den Weg gelaufen ist. Auch sie hat bei dieser Blogparade mitgemacht, hier ist ihr Beitrag über Ernährung in den Wechseljahren, unbedingt lesenswert.

Einen sehr spannenden Beitrag hat auch Ursula Brühwiler geschrieben, ihr Thema ist der unerfüllte Kinderwunsch, der auch vom Gewicht beeinflusst werden kann. Dieses Thema beschäftigt viele Frauen, die zu mir aus anderen Gründen ins Coaching kommen.

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Brigitte,

    was für ein wundervoller Beitrag – Danke für Deine Offenheit !!
    Ja, die Idee von der Traumfigur … ich hatte sie auch mal (also, sowohl die Idee als auch eigentlich die Traumfigur – jedenfalls, wenn ich jetzt so zurückdenke ???).
    An der Aufgabe, mich einfach so anzunehmen, wie ich bin, knabbere ich schon ein ganzes Weilchen. “Idealmaße” werde ich wohl nicht mehr erreichen (dafür ist mir auch der Preis zu hoch, auf Hungerkuren hab ich keinen Bock!). Aber: Hauptsache, gesund. Und ich ergänze das gerne noch um: Hauptsache, vergnügt.
    Der Rest … pffff 🙂

    Liebe Grüße, Frauke

    • Liebe Frauke,
      danke für deinen Kommentar. Ich knabbere auch noch immer an diesem und jenem, aber ich werde immer besser darin, aufzuhören mich mit anderen zu vergleichen.

      Ich habe vor sehr vielen Jahren mal eine Erfahrung gemacht mit einer Frau, deren Erscheinung ich sehr bewundert habe. Sie war sehr schlank und elegant, hatte ein schmales Gesicht, wunderbare braune Locken und honigfarbene Augen usw. Sie war einfach schön, ich war ziemlich neidisch. Eines Tages kamen wir über Mode und Kleidung ins Gespräch und im Verlauf dessen fauchte sie mich plötzlich an “Wenn man so aussieht wie du, hat man doch überhaupt keine Probleme. Du hast eine weibliche Figur, blaue Augen und blonde Haare, was willst du eigentlich? Nach mir mit meiner Bügelbrettfigur guckt doch kein Mann!” Das darauf folgende Gespräch war der Beginn einer Freundschaft, die heute noch andauert.

      Ich finde es wichtig zu lernen, dass wir alle liebevoller auf uns gucken.

      Liebe Grüße Brigitte

  2. Liebe Brigitte, das ist ein sehr schöner Beitrag für die Blogparade und ich wünsche dir weiterhin so viel Freude am Genuss, die jede einzelne Zeile ausstrahlt!
    Herzliche Grüße,
    Angelika

    • Liebe Angelika,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar! Von ein paar Fettzellen lasse ich mir meine gute Laune und Freude am Genuss nicht mehr nehmen.

      Alles Liebe Brigitte

  3. Was für ein wundervoller Beitrag, liebe Brigitte Nolting, der riesig Spaß darauf macht, sofort deine Bücher zu lesen. Es ist einfach wunderschön, mit wie viel Leichtigkeit ein paar Pfunde mehr durch diesen Artikel tanzen. ♥ Danke, wie schön, dir hier in der Blogparade begegnet zu sein.

    Herzlichen Dank für den tollen und “erleichternden” Einblick in dein Leben.
    Liebe Grüße
    Silke Steigerwald

    • Liebe Silke,
      ganz herzlichen Dank. Ich freue mich sehr, wenn ich mit meinem Beitrag dazu beitragen kann, dass vielleicht auch andere Frauen ihr Gewicht mit etwas mehr Leichtigkeit tragen.
      Liebe Grüße
      Brigitte

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